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Eine kleine Reise nach Mittelerde

Zarte Rosatöne durchziehen langsam den tiefblauen Morgenhimmel. Es ist früh, leichter Tau liegt über den Gradflächen und sanfte Nebelschwaden schweben hauchzart über den Schottenplatz des alten Bahnhofes. Lumsden erwacht aus seinem Schlaf. Ich schäle mich aus meinen Decken. Der Schlaf zerrt an mir und bittet leise um noch ein paar Minuten. Ich öffne das Fenster und gewähre der kühlen Luft den Eintritt. Meine Schmuddelwedda Jacke liegt griffbereit.

Grummelnd stapfe ich zum Toilettenhäuschen um mich frisch zu machen. Heute steht ein aufregender Tag vor mir. Zwischen Te Anau und Lumsden führt fernab der Hauptstraße eine gefühlt unendliche Schotterstraße zu beeindruckenden Herr der Ringe Locations.
Bei dem Gedanken an den Tagesplan schlägt mein Herz einen Schlag schneller. Natürlich kann ich mir als Fan der Herr der Ringe Filme nicht entgehen lassen kostenlose Drehorte zu erkunden.

Ich kuschelte mich in meine Jacke während ich zurück zum Auto wandere. Einige Camper sind ebenfalls wach aber noch sehr zurückhaltend. Im Auto angekommen schnappe ich mir mein Müsli und mein Milchpulver. Mit ein wenig Wasser vermischt schmeckt das Pulver tatsächlich recht gut. Etwas Gewöhnung bedarf es trotzdem denn es sieht wässriger aus und der Geruch des Pulvers ist merkwürdig.

Gestärkt klettere ich auf den Fahrersitz und starte mein Auto. Es dauert eine Ewigkeit bis die Scheibe frei vom Dunst und der Feuchtigkeit der Nacht ist. Mit aufgehender Sonne starte ich meine Tour . Die Drehorte befinden sich bei den beiden Mavora Seen. Es gibt den Südlichen und Nördlichen. Zwischen ihnen erstreckt sich ein Wald und die Seen verbinden sich durch einen breiten Fluss.

Ein genervtes Seufzen entkommt meinen Lippen während ich darüber nachdenke wie ich die gefühlt unendliche Schotterstraße überstehen soll. Von Lumsden müsst ihr einfach nur der 94 Richtung Te Anau folgen und dann die „Mavora Lakes Road“ nehmen. Ein sehr einfacher Weg aber er nimmt viel Zeit in Anspruch.

Schotterstraße auf dem Weg zu den Mavora Seen

Angespannt fahre ich die Schotterstraße mit meinen 30 km/h. Jeder Neuseeländer würde den Kopf schütteln, dass ich nur so langsam fahre. Ich kenne die Straße aber nicht und möchte keinen Steinschlag in der Frontscheibe riskieren um ein paar Minuten zu sparen. Wozu auch die Eile? Ich habe den ganzen Tag und meine einzigen Ziele liegen alle beieinander.

Ich schaue mir die Umgebung genau an während ich die „Straße“ leise verfluche. Riesige Grasflächen für die Schafzucht, Berge in der Ferne mit ihrer weißen Haube und kleine Wälder umsäumen den Weg. Mir begegnen lediglich zwei Autos auf der gesamten Strecke. Es ist ruhig und ich fühle mich hier ein wenig verloren. Würde man mich hier überfallen wäre ich verloren.

Mein erster Punkt ist der Ort an dem Gandalf Schattenfell ruft. Die Waldränder und das riesige Feld kommen mir auf anhieb vertraut vor. Der Drehort befindet sich auf einem Privatgrundstück. Ich sah mich aufmerksam um und beschloss trotzdem zum exakten Punkt zu laufen. Ich kletterte über die Pforte und nahm mein Handy in die Hand. Es ist wesentlich einfacher wenn ihr einen Screenshot vom genauen Punkt besitzt.

Die Gräser raschelten unter meinen Füßen und die kleinen Steine bohrten sich in die Sohle meiner Turnschuhe. Ich blieb stehen und sah vor mir den dunklen Wald. Der Wind strich mir durchs Haar und hinterließ eine Gänsehaut. Ich drehte mich einmal um mich selbst und erkannte das ich am richtigen Punkt angekommen war. Die Berge im Hintergrund standen genau dort wo sie sollten und der Wald lag links von mir.

Der Herr der Ringe Drehort: Gandalf ruft Schattenfell

Ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen und ich suchte schnell einen geeigneten Platz für meine Kamera. Nun musste der Selbstauslöser her, denn ich war nun einmal mutterseelen alleine hier draußen. 10 Sekunden sind verdammt knapp wenn man über ein Feld rennen muss, welches nicht für seine Ebenerdigkeit bekannt ist. Ich stolperte mehr als das ich aufrecht rannte. Nach mehreren Versuchen und einem schwereren Atem hatte ich endlich ein zufriedenstellendes Bild. Zeit die Gegend einfach wirken zu lassen.

Es war kalt, still und einsam. Die Gräser schwankten im Wind, die Bäume knarzten und die kühle Luft sorgte dafür, dass sich meine Wangen rot färbten. Ich rieb meine kühlen Hände aneinander um ein wenig Wärme zu erzeugen. Ich spürte hier und jetzt ganz deutlich den langsamen Übergang vom Herbst in den Winter. Glück durchfloss meine Adern und ließ mich schmunzeln.

Wer hätte gedacht, dass ein Anblick von dieser reinen Natur mich so glücklich machen konnte?

Ich rannte den Hügel hinunter und zum Auto zurück. Ich lies den Motor an und drehte die Heizung wärmer. Der Weg zum nächsten Punkt ist nicht weit aber ein wenig Wärme würde mir gut tun. Der Wind wurde stärker aber sobald ich in den Wald hinein fuhr wurde es ruhig. Nur schwer drang das Licht durch das dichte Geäst. Der Weg war schmierig und schmal.

kleiner See bevor es zur Herr der Ringe Location geht.

Ein kleiner Platz weist euch darauf hin, dass ihr richtig seid. Ich lies mein Auto stehen und zog die Jacke dichter an meinen Körper. Vom Parkplatz konnte ich die Hängebrücke bereits sehen. Ein Freund von Hängebrücken war ich noch nie. Mir fehlte das Gefühl von Sicherheit. Ich tapste unsicher und vorsichtig auf die ersten Meter der Brücke. Ihr schwankten machte mich nervös, aber der Anblick der sich mir bot entschädigte es. Links von mir schlängelte sich der Fluss durch den Wald. Das Wasser war kristallklar und die Gräser unter Wasser sahen aus wie dunkle Haare die im Wasser schwebten.

Hängebrücke beim Mavora See Wasser vom Mavora Fluss und See

Rechts erstreckte sich der südliche Mavora See. Umrandet wurde er von Gebirge und Waldflächen. Bei jedem Schritt den ich Tat schwankte die Brücke. Mein Kreislauf fing bereits an zu rebellieren. Ich versuchte so ruhig wie möglich zu stehen und beim Laufen möglichst keine zu großen Bewegungen zu machen.

Fluss zum südlichen Mavora See. Herr der Ringe Drehort südlicher Mavora See

Aufgrund des kühlen Windes verzog ich mich relativ schnell wieder im Auto obwohl es wirklich ein schöner Anblick war.

Der letzte Weg ist bis zum Ende des nördlichen Sees. Dort gibt es zwei Drehorte. Der Ort an dem sich Frodo und Sam von den Gefährten trennen und der Ort an dem die Orks und Uruk-Hau die Gefährten angreifen und von einem Waldhügel hinunter rennen. Hier am nördlichen See kann man Campen wenn man möchte. Es kostet allerdings ein paar Dollar.
Dafür habt ihr meistens den gesamten Ort für euch alleine.

nördlicher Mavora See. Herr der Ringe Drehorte: Sam und Frodo trennen sich von den Gefährten

Der Wind machte es mir schwer die Tür zu öffnen. Ich zog mir die Kapuze über den Kopf und versuchte jeden Millimeter Haut vor der Kälte zu schützen. Der Wind riss an meinen Klamotten und wühlte das Wasser auf. Wellen zersprangen am Steinstrand. Die alten knochigen Äste des Waldes wirkten geheimnisvoll und so als ob sie versuchten zum Wasser zu gelangen. Sie hingen tief und weit über den Steinstrand.

Gebirge beim nördlichen Mavora See

Riesige Berge ragten neben dem See auf. Der Wald wirkte bedrohlich. Rascheln war zu hören. Ich lief durch das nasse Laub und schlängelte mich an den Ästen vorbei. Ein Hügel stach in die Höhe vor mir. Ob dieses wohl der Drehort war? 100% bin ich mir nicht sicher ob ich ihn wirklich gefunden hatte. Nach all den Jahren holt sich die Natur ihre Plätze zurück und manchmal ist es nur noch schwer zu erkennen was hier einmal gedreht wurde. Im Wald selbst fühlte ich mich unruhig. Der Wind erzeugten beunruhigte Geräusche, die Kälte setzte mir zu und der nasse Boden erschwerte das Laufen.

der Herr der Ringe Drehort Uruk-hai greifen an im Wald

Ich stampfte zum Auto und genoß von dort den Anblick. Das Vibrieren des Windes war im Auto zu spüren aber die Kälte konnte mich hier nicht mehr erreichen. Bedauerlicherweise bin ich nicht länger an den Drehorten geblieben.

Es lohnt sich definitiv dort einen Tag zu verbringen und bei besserem Wetter ein bisschen zu wandern. Mich verfolgen die grauen Wolken bis nach Lumsden. Eine Nacht wollte ich hier noch verbringen bevor es nach Queenstown ging.

Schotterstraße beim nördlichen Mavora See

1 kommentar

  1. Anonymous Anonymous

    Wieder einmal faszinierend zu lesen.
    Schade das ich diese Gegend nie sehen werde, weil 30 Stunden Flug
    Zu lange für mich sind.
    Bin gespannt auf den nächsten Bericht.

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