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Südinsel Rundreise Tag 1

Route: Queenstown – Arrowtown – Wanaka – Lake Wanaka
KM: ca. 165 km
Campingplatz: Boundary Creek Campingplatz

Von Queenstown zum Boundary Creek Campingplatz

Heute ist meine Rundreise gestartet. Ich möchte endlich mehr von der Südinsel Neuseelands sehen. Ich möchte mich beeindrucken lassen von der Natur und ihrer Schönheit.

Viel zu früh wurde ich wach. Zeit um auszuschlafen wäre zwar reichlich vorhanden gewesen, aber ich war zu sehr in dem Rhythmus der Arbeit. Anstatt sich in einen unruhigen Schlaf zu zwingen bin ich notgedrungen aufgestanden.

Der Gedanke für die nächsten paar Tage im Auto zu schlafen brachte keine unbändigte Vorfreude. Ich bin zu groß um lange in einem kleinen Auto zu schlafen. Trotzdem möchte ich es ausprobieren. Dieses Camperleben. Die Einfachheit in einem Auto zu reisen und zu stoppen wo man möchte. Einfach anhalten wenn man müde ist, Menschen kennenlernen, frei reisen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass es etwas für mich ist. Genau das werde ich herausfinden.

Jetzt grade in diesem Moment, wo meine Finger über die Tastatur gleiten, sitze ich gebeugt im Schneidersitz vor meinem Laptop im Auto von meiner Arbeitskollegin. 2 Erklärungen hierzu:

1. Ich sitze gebeugt, da nebenan junge Leute herum rennen und ich ungern angestarrt werde. Mein Laptop ist in diesem Auto die einzige Lichtquelle. Die Sonne ist vor gut einer Stunde langsam hinter den Bergen verschwunden. Noch ist der Himmel nicht komplett schwarz, aber es ist zu wenig Licht um unbemerkt im Auto zu sitzen.
2. Meine Arbeitskollegin hat mir ihr Auto angeboten für meine Rundreise. Ich hatte bereits ein Auto gemietet, aber ich habe das Angebot  aber doch angenommen und mein Auto storniert. (Nachtrag: Überlegt euch immer gut ob ihr ein Auto leiht. Ihr erfahrt im Laufe meiner Rundreiseberichte warum ich nie wieder ein Auto von „Bekannten“ leihen würde)
Wann bekommt man mal ein Auto angeboten um damit einmal um die Insel zu düsen? Ich war wirklich sehr überrascht.

Es war ein ungewohntes Gefühl wieder hinter einem Steuer zu sitzen und im Linksverkehr zu fahren. Ich habe bereits Erfahrungen mit dem Linksverkehr, aber es ist immer wieder ein merkwürdiges Gefühl. Man muss sich langsam dran gewöhnen und unbedingt konzentriert bleiben. Lasst euch auf keinen Fall ablenken.

Zurück zum Beginn meines Tages.

Es gab einiges zu tun. Packen, putzen, Auto einräumen, einkaufen und Karina zum Flughafen bringen. Dann erst sollte meine Reise beginnen. Ich merkte erst beim betreten der Küche, dass sich ein Gefühl langsam anschleicht. Nervösität. Ein neuer Abschnitt meiner Reise sollte beginnen. Es wird eine Umstellung für mich sein. Ich war nun wieder 4 Wochen von Menschen umgeben. Ich hatte einen Alltag und wusste wo ich abends schlafen würde. Nun würde ich einfach fahren. Ich werde am Tage erst schauen wie weit ich komme und Ausschau halten nach kostengünstigen oder sogar kostenlosen Parkplätzen.

Karina war bereits auf und wir entschieden uns Donuts zu backen. Okay- ich gestehe, dass Karina gebacken hat und ich am Frühstückstisch gesessen habe. Dazu gab es sogar noch Rührei. Lecker. Erst Deftig dann süß. Perfekter Start.
Leider kam der Moment des Abschieds doch recht fix. Wir hatten so viel zutun mit packen und putzen, dass wir nicht mitbekamen wie schnell die Zeit verlief.

Es fiel mir schwerer mich von Lisa und Kelsey zu verabschieden als gedacht. Ich hoffe ich werde sie wiedersehen. Karina und ich planen eine Rundreise durch Italien und ich hoffe das es klappt, dann könnten wir Lisa schon einmal besuchen.

Kurz darauf saß ich schon mit Karina im Auto. Ich spürte die Vorfreude und die Anspannung. Ein kleines bisschen Trauer schlich sich ebenfalls zu meinen Emotionen. Wir sind in der Zeit eine kleine Familie geworden. Abschiedsschmerz und der Beginn einer neuen aufregenden Zeit.

Ich fuhr Karina zum Flughafen und war froh, dass sie mir die ersten kleinen Regeln im Neuseeländischen Straßenverkehr erzählen konnte. Der Abschied von ihr fiel mir  noch einen Tick schwerer. Mit Karina habe ich die meiste Zeit verbracht und jetzt daran zu denken, dass man wieder alleine auf Tour geht ist sehr komisch. Ich fühlte mich ein wenig durcheinander.

Die ersten Kilometer musste ich realisieren, dass es wirklich los ging. Ich würde nun die komplette Insel einmal abfahren. Logischerweise kann ich nicht an der Küste Langfahren und das Innenland sehen. Aber wer aufmerksam gelesen hat weiß, dass ich immer die Küstenstraßen bevorzuge. Meine Route sollte mich heute von Queenstown zur Westküste führen.

Ihr habt bereits den Untertitel gelesen, richtig? Wenn ihr den Campingplatz einmal eingebt, werdet ihr merken, dass ich nicht an der Westküste bin. Ich bin nur bis zum Lake Wanka gekommen, an dessen Küste sich der Campingplatz befindet. Ich finde meinen Platz hier im Auto wirklich gemütlich, aber es ist ein mulmiges Gefühl nun mit dem Campingleben zu beginnen.

Auf meinem Weg hielt ich zuerst in Arrowtown. Es fang grade ein Herbstfest statt. So viele Menschen drängten sich in den kleinen Straßen. Die Parkplätze quollen über und die Straßenränder wurden bereits zugeparkt. Ich fand erstaunlich schnell einen Parkplatz trotz der Masse an Autos. Ich schlenderte gemütlich durch die Straßen, aber war in 30 Minuten schon wieder im Auto. Arrowtown ist ein schöner kleiner Ort, aber eben sehr klein und somit braucht ihr nicht viel Zeit einzuplanen.

Apotheke in Arrowtown Kleine süße Läden in Arrowtown. Bewachsen mit Efeu
Alte Postfächer beim Postoffice in Arrowtown Arrowtown Café
Ich fuhr weiter auf dem Highway 6 Richtung Wanaka. Sobald ich etwas beeindruckendes am Straßenrand sah oder ein Hinweisschild für einen „View Point“ blieb ich stehen. In Wanaka lief ich kurz am Wasser entlang und lies mich von der Sonne erwärmen. Leider vergass ich Bilder zu machen, aber Wanaka war so klein und überschaubar, dass es nicht viel gab.

Die Goldmiene auf dem ersten folgenden Bild liegt direkt am Highway 6. Sie kommt nach dem AJ Hackett Bungy Kawarau Bungy Centre. Wie schaffen Andere es nur in die Tiefe zu springen, nur mit einem Seil um die Beine? Ich bekomme schon bei der Vorstellung weiche Knie und eine Gänsehaut breitet sich auf meinen Armen aus. Ich könnte es auf gar keinen Fall.
Der Kawarau River ist eine weitere Herr der Ringe Location in Neuseeland. Wer wie ich Fan des Meisterwerkes ist, sollte unbedingt einen Stop einlegen und sich der Faszination des Flusses hingeben. Leider sind meine Beine ganz wackelig geworden, als ich bei der alten Miene auf der Schwingbrücke stand und in die Tiefe blickte. Der Wind zerrte an meiner Kleidung und brachte mich dazu unsicher einen Schritt vor den Anderen zu setzten. Ich wurde unsicher und entschied umzudrehen. Nicht ohne vorher noch ein zwei Bilder zu fotografieren.

Leider wirkt der Fluss viel sanfter auf den Bildern als er ist. Eine wilde Strömung durchzieht das Wasser, während die rauen Gesteinsufer einen das Näherkommen verbieten. Man kann bei Bedarf eine Jetboadtour buchen. Hätte ich mehr Zeit, hätte ich es mir überlegt.

alte Goldmiene an dem Highway 6 Herr der Ringe Location Fluss Kawarau River

Am Lake Dunstan entschied ich mich dazu, eine kurze Pause einzulegen. Mein Magen forderte eine Kleinigkeit zu essen und ich brauchte ein wenig Bewegung für meine Beine. Denkt immer daran genug Pausen einzulegen. Die Tannen und Bäume spiegelten sich in der Wasseroberfläche. Das Wasser floss leicht und sanft. Kleine Wellen brachen am Strand. Trotz der Nähe zur Straße war es vollkommen ruhig und friedlich.

Lake Dunsten Luggate Cromwell Road

Die Schatten der Bäume wurden länger. Es war bereits 4 Uhr nachmittags. Bald würde die Sonne hinter den Bergen verschwinden und alles in Dunkelheit tauchen. Bis dahin musste ich unbedingt beim Campingplatz sein. Ich fuhr kurz an den Straßenrand und sah auf meiner Campermate App nach, ob ein guter und preiswerter Campingplatz in der Nähe ist. Tatsächlich befand sich am Ende vom Lake Wanaka der Boundary Creek Campingplatz. 8 Dollar sollte hier eine Übernachtung kosten. Ich entschied mich dafür.

Luggate Cromwell Road im sanften Abendlicht Makarora-Lake Hawea Road

Vorher hätte ich gerne länger am Lake Hawea und Lake Wanaka gehalten. An den einsamen kleinen Stränden Fotos gemacht und den Sonnenuntergang genossen. Die Zeit lief mir davon. Ich hatte gedacht, dass man wesentlich weiter kam. Ich begriff in diesem Moment, dass 200km in Neuseeland fast doppelt so viel Zeit benötigt als in Deutschland.

Lake Hawea Straße mit Blick auf die Berge

Während ich fuhr umspielten die letzten Sonnenstrahlen die Berge vor mir. Die Wälder wurden dunkler aber in der Ferne bezauberten die Lichter. Die Wolken wurden farbig und flauschiger. Die Straßen leerten sich und zurück blieb eine angenehme Stille.

Lake Wanaka im Sonnenuntergang Baumstamm am Strand beim Campingplatz

Am Campingplatz angekommen ging ich direkt zum  anliegenden Strand. Ein kleiner aber schöner Steinstrand mit viel Treibholz. Genug Möglichkeiten sich hinzusetzten und den Anblick in sich aufzunehmen. Die Wolken färbten sich in sanften Tönen je weiter die Sonne verschwand. Das Wasser wurde unruhig durch den aufkommenden Wind. Eine kühle Brise strich über meine nackten Arme. Mir wurde kalt, aber der Anblick war zu beruhigend als das ich gehen wollte.

Keiner störte diese Ruhe. Ich atmete tief durch und spürte die Freude Momente wie diese zu genießen und zu erleben. Leider konnte ich keinen erreichen, denn Empfang ist eine Rarität in diesem Wunderland von Neuseeland. Vielleicht gut so, denn dann hat man keine Ablenkung.
Boundary Creek camping and picnic Strand Boundary Creek camping and picnic Strand im Sonnenuntergang

Müde schloss ich meinen Laptop und kuschelte mich in den Schlafsack. Es sollte weiter gehen, wenn der Himmel sich erhellt. Ich wollte den Sonnenaufgang sehen also blieb für ausschlafen keine Zeit.

 

2 Comments

  1. Anonymous Anonymous

    Hey Lari, dein neuer Bericht ist toll. Du schreibst so mitreißend, als wenn man dabei ist. Weiter so. Josi 93

    • larryWonderland larryWonderland

      vielen Dank :* Ich versuche immer mein Bestes zu geben 🙂

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