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Von Nelson zum Arthur’s Pass

Route: Campingplatz Brown River Reserve – Picton, Blenheim, mit dem Ziel Arthur’s Pass.
Km: ca. 405 Km
Campingplatz: Keiner – Unterkunft bei Claire & Frank.
Dauer: Mittwoch bis Freitag.

Zum ersten Mal war mir ein wenig kalt ist der Nacht. Nur einen kurzen Moment kroch die Kälte über meine Haut und brachte mich dazu aufzuwachen. Ich hatte mich in der Nacht zu sehr bewegt ,so dass die Decke nicht mehr meinen Körper wärmte. Ich kuschelte mich wieder ein und schlief bis zum Morgengrauen durch.

Als ich meine Augen öffnete fing der Himmel an sich in ein leichtes grau zu verwandeln. Zeit aufzustehen und die Tour zu beginnen. Auf meinem Plan stand als erstes Picton. Von Wellington könnt ihr mit einer Fähre nach Picton. Die Fähre verbindet die Südinsel mit der Nordinsel.

Nach nur kurzer Fahrtstrecke fuhr ich über die Pelorus Brücke. Die Brücke hat ihren Namen von dem Fluss der sich unter ihr entlang schlängelt. Der Fluss und grade dieser Bereich sollte bei den Hobbit Fans bekannt sein. Direkt unterhalb der Brücke am steinigen Ufer des Flusses wurde die Szene gedreht, in der die Hobbits in Fässern aus dem Elbenreich fliehen.

Pelorus Fluss im morgendlichen Nebel Pelorus Fluss und schöne Badestelle

Ich wollte wirklich ein Bad dort nehmen. Ich hatte mich am Ufer bereits von meinen Klamotten getrennt und meinen Badeanzug übergeworfen. Die Steine unter meinen Füßen waren eisig und machten es mir unmöglich lange auf einer Stelle zu stehen. Ich sah in das Blaugrüne Wasser zu meinen Füßen und bewunderte die Klarheit und die Ruhe. Am Ufer war es ganz still obwohl nicht weit entfernt eine kleine Strömung das Wasser zur Aufruhe brachte.

Pelorus Fluss

Ich nahm meinen Mut zusammen und lies einen Fuß langsam ins Wasser gleiten. Ein Zittern durchfuhr mich und Gänsehaut zog sich über meinen gesamten Körper. Unmöglich. Ich konnte nicht in dieses Eiswasser gehen. Es war viel kälter als vermutet. Ich spürte den Sand unter meiner Fußsohle und wie sich die Kälte mein Bein hochkroch. Schnell zog ich meinen Fuß wieder aus dem Wasser und schlang meine Jacke um meinen Körper. Ich wollte dennoch mein Gesicht und meine Haare waschen. Natürlich ohne Shampoo im Fluss. Kommt niemals auf die Idee in dieser wunderschönen Natur mit Chemie rumzuspielen. Es gibt genug ökologische Produkte die man bedenkenlos verwenden dürfte.

Pelorus Fluss und Herr der Ringe Location Pelorus Bridge und Fluss

Ich zog rasch meine Klamotten an, kniete mich ans Ufer und genoss die frische im Gesicht. Man fühlt sich eindeutig besser mal frisches Wasser ins Gesicht zu bekommen. Leider konnte ich danach nicht mehr all zu lange verweilen, da ich sonst 100 % eine Erkältung bekommen hätte mit mit meinen nassen Haaren. Trotzdem war der Besuch vor Ort wunderbar.

Man erkennt die Location vom Drehort sofort und wenn es wärmer ist, sollte ein Bad vor Ort himmlisch sein. Die Natur drumherum ist beruhigend und man nimmt die Straße im Hintergrund kaum noch wahr. Das Wasser ist faszinierend und die Farben der Natur ein tolles Erlebnis.

Die Reise musste allerdings weiter gehen.

Es gab zwei Möglichkeiten für mich. Den kürzeren Weg an der Küste entlang oder über den Highway. Zeitlich sind beide Strecken ungefähr gleich, da die kürzere Strecke sehr kurvig und aufwendig ist. Es lohnt sich. Ich fuhr los und war erstaunt über die vielen Autos auf den Straßen. Normalerweise genoss ich morgens die Einsamkeit und die Gemütlichkeit langsam zu fahren. Nun aber hatte ich das Gefühl ich würde die anderen Autos aufhalten.

Wolken über dem Wasser in Havelock Havelock

Ich halte nichts vom schnellen fahren, wenn ich die Landschaft sehen will. Es dauert heute etwas länger als sonst bis die ersten Sonnenstrahlen das Grau des Morgens vertrieben. Nebel schwebte über der Oberfläche des Meeres, Sonnenstrahlen brachen sich in der Wasseroberfläche und wärmten das Licht.
Der kleine Ort war kaum zu erkennen bei der dichten Nebelwand. Vereinzelt gab der Dunst denn Blick auf Häuser und Boote frei, die im Wasser lagen.

Ich hielt mich nicht lange in diesem Ort auf, aber genoss trotzdem die morgendliche Atmosphäre. Ich nahm die Küstenstraße um nach Pictor zu gelangen. Eine schmalere Straße mit vielen Kurven und tollen Aussichtspunkten. Konzentriert bog ich um die Kurven und lies mich den Berg runter einfach rollen.

Es würde ein langer Tag werden, aber ich hatte mir vorgenommen bis zum Arthur’s Pass zu fahren. Viele Pausen einplanen, dann ist auch eine längere Strecke kein Problem.

Küstenstraße auf dem Weg nach Picton auf der Küstenstraße

Leider sind die Büsche und Bäume neben der Straße sehr dicht und nur ab und an ermöglicht eine Lücke den Blick ins Tal. Das erste was man von Pictor sieht ist ein Lager mit Unmengen an Holz und Container. Ein Schiff wurde grade beladen während ich in die Stadt fuhr. Gut ausgeschildert gelangt man direkt zur Hauptstraße.

Containerhafen von Picton

Kostenlose Parkplätze ermöglichen es direkt vor den Geschäften zu halten. Perfekt für einen kleinen Stadtbummel. Groß ist Pictor nicht, aber der maritime Flair und die schönen kleinen Geschäfte bezaubern und machen Picton zu einem schönen Ausflugsziel. Der Fährhafen lädt mit seinem gepflegten Park und den Palmen zum entspannen und genießen ein. Die Sonne zog die Schatten in die Länge und blendete mich als ich den Park betrat. Ich stellte mich direkt ans Wasser und genoss für ein paar Minuten die Stille.

Hafen von Picton im morgendlichen Licht Hafentor in Picton

Nur wenige Menschen waren unterwegs und genossen ebenfalls das perfekte Wetter. Ein Café mit Blick in den Hafen lud zum verweilen ein. Leider würde dies meinen Zeitplan durcheinander bringen. Mir blieb nur Zeit für einen kleinen Einkauf.

Palmen im Hafen von Pictor Blick auf dem Hafen durch die Bäume und Palmen in Picton

Mein nächstes Ziel sollte Blenheim sein. Die Fahrt verlief ereignislos. Sie ist leider nicht so schön wie die Straßen direkt an der Küste, aber umso mehr freut man sich wenn man angekommen ist.

kleiner Einblick in Blenheim Stadtbummel durch Blenheim Blenheim Stadt

Blenheim ist größer als Picton. Ins Stadtzentrum gelangt man sehr einfach und Parkplätze gibt es ebenfalls ausreichend. Zum Glück fand ich einen kostenlosen Parkplatz der direkt im Zentrum lag. Ein gepflegter Stadtkern mit ausreichend Möglichkeiten zum shoppen. Leider blieb auch hier mir nicht genug Zeit um durch alle Geschäfte zu stöbern, aber der erste Eindruck gefiel mir ganz gut.
Durch das starke Erdbeben vor ein paar Jahren ist die Küstenstraße von Blenheim nach Christchurch noch nicht wieder befahrbar. Leider musste ich daher einen Teil der Strecke vom Vortag zurück fahren. Komischerweise wirken die Wälder und Flüsse immer ein wenig anders, je nachdem in welchem Winkel man sie betrachtet. Die Fahrt war lang, aber ohne Vorkommnisse. Bisher.

Waldbrand auf dem Weg zum Arthur's Pass

Leider sah ich diesen Waldbrand auf meinem Weg. Ich hielt kurz an und sah mir das Unglück an. Es ist erschreckend wie schnell man sieht wie die Flammen alles verzerren und größer werden. Ich hoffe der Brand konnte gestoppt werden.

Ich bog auf die Arnold Valley Road und pausierte kurz bei einer Ausbuchtung um nachzusehen wie lange ich noch fahren würde. Es wäre nur noch maximal eine Stunde gewesen und ich wäre am Arthur’s Pass angekommen.

In den Momenten, wo einem etwas unerwartetes passiert schaltet der Körper auf Automatik und handelt von selbst. Es geht zu schnell als das man selber über sein Handeln entscheiden könnte. Egal wie gut man fahren kann oder wie oft man gefährliche Situationen testet. Die Sekunden in denen es passiert sind anders. Sie sind unvorhersehbar. Man hat keine Chance an das Richtige zu denken und die Fehler zu verhindern, die man macht.

Ich sah nur die Möglichkeit auszuweichen und der Rest war nicht mehr zu kontrollieren. Ein Auto kam mit entgegen und nutze meine Spur anstatt seine. Es war kein Geisterfahrer, ich hatte noch Platz. Nicht genug um meine normale Spur zu halten. Ich fuhr über den Gras/Schotterstreifen, traf einen weißen Pollar, versuchte das Auto wieder auf die Fahrbahn zu manövrieren und verlor die Kontrolle. Das Auto brach schon im ersten Versuch die Fahrbahn wieder zu erreichen aus. Ein normales Auto aus Deutschland wäre kaum so schnell ausgebrochen. Ich hatte absolut keine Chance mehr die nächsten Sekunden zu verhindern. Angst durchströmte mich. Ich bekam mit wie das Auto ins Schleudern geriet, hörte die Reifen quietschen und spürte wie es den Hand hinunter rutschte. Die Scheibe brach und ich sah die Bäume und Büschen am Fenster vorbeiziehen. Ich betete und flehte in den Sekunden ich würde diesen Moment irgendwie überstehen.
In den Moment wo das Auto zum stehen kam, hatte ich nur den Gedanken, dass ich aus dem Auto raus musste und Hilfe brauchte.

Meine Finger zitterten und meine Beine waren ganz weich. Ich griff zitternd nach meinem schwarzen Rucksack. Ein Glück er war immer noch neben mir. Alle wichtigen Unterlagen und Dinge waren in diesem verstaut. Das Auto lag auf der Fahrerseite. Ich löste den Sicherheitsgurt und kletterte über die Sitze zur Beifahrertür. Ich musste einiges an Kraft aufwenden um sie aufzudrücken.

Wackelig und völlig aufgelöst versuchte ich halt auf den rutschigen Ästen der Büsche zu bekommen. Ich krallte mich an der Tür fest und versuchte mit einer Hand den Rucksack auf meinen Rücken zu stemmen. Er kam mir noch schwerer vor als er schon war.

Ich sah mich panisch um und erkannte, dass ich irgendwie hochklettern musste. Die Dornen und Bruchstellen der Äste schnitten mir in die Beine und Arme. Dornen drangen in meine Haut. Die Pflanzen waren feucht und klitschig.
Ich rutschte mehrmals ab und verfing mich in dem Wirrwarr aus Ästen. Ich biss die Zähne zusammen, wenn die Dornen in meine Haut stachen. Mein Ziel war die Straße, egal wie schwer es war zu ihr zu gelangen.
Autos fuhren schnell an mir vorbei. Ich konnte sie hören, aber niemand würde mich hier finden, wenn ich es nicht schaffen würde.

Selbst wenn ich rief würde es keiner mitbekommen. Sie fuhren zu schnell und mit Sicherheit mit geschlossenem Fenster.
Eine kleine Welle der Erleichterung durchströmte mich als ich endlich oben ankam. Ich blickte in die Tiefe und Schuldgefühle und Angst durchströmten mich. Zu viele Gedanken kreisten in meinem Kopf und trotzdem konnte ich keinen klaren Gedanken fassen.
Ich stoppte das erste Auto und gab mir alle Mühe nicht zu weinen. Ich spürte die Tränen in meinen Augen brennen aber ich wollte stark bleiben.

Ein Mann blieb stehen und ich erklärte ihm direkt was passiert war. Er war aufgelöst und fragte mich ob alles okay wäre und ich Schmerzen hätte. Ich war zu durcheinander um mir darum Gedanken zu machen. Er brachte mich zu Clare und Frank. Ihre Firma lag keinen 1km vom Unfallort entfernt.

Obwohl ich mitten in ihre Arbeit reinplatze wurde mir sofort geholfen. Sie riefen die Polizei, kümmerten sich darum, dass Auto zu „retten“ und gaben mir einen Raum um durchzuatmen und etwas warmes zu trinken. In dem Moment wo ich im Büro stand konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Liebevoll gaben sie mir Taschentücher und brachten mich zum Bad.

Egal wie stark ich sein wollte, ich stand zu sehr unter Schock als das ich etwas gegen die Tränen unternehmen konnte. Jeden Moment in dem ich erzählen musste was passiert war, brach ich wieder in Tränen aus. Ich weiß nicht mehr wie lange ich weinte, aber es waren einige Stunden.

Ich bin Clare und Frank so unendlich dankbar. Meine Dankbarkeit ist nicht in Worte zu fassen. Menschen wie die Beiden, so glaube ich, trifft man nur selten in seinem Leben und das diese Momente etwas besonderes sind. Sie haben sehr viel für mich getan und ich werde auf jeden Fall den Kontakt zu Ihnen halten.

Ich verbrachte die Tage bei Clare und Frank bis zu meiner erneuten Abreise mit sehr viel Organisation und Planung. Meine Rundreise sollte nicht enden. Ich wollte Neuseeland sehen und ich hatte den Mut mich erneut in ein Auto zu setzen.

Die erste Fahrt war unglaublich nervenaufreibend. Ich fuhr extrem langsam und hochkonzentriert. Ich spannte mich bei jedem Auto an, welches mir entgegen kam. Erleichterung durchfuhr mich, als ich ohne Zwischenfall parkte.
Ich musste ein neues Auto kaufen. Ein großer Verlust in meiner Reisekasse und ein weiterer Punkt um alles erneut zu planen und überdenken.

Ich war dankbar, dass auch hier eine Menge Hilfe bekam. Also ging es nur noch an die Einzelheiten für den Rest der Rundreise.
Freitagmorgen ging es erneut auf Reisen. Ich räumte meine Sachen in den Kofferraum. Überprüfte alles doppelt und dreifach. Ein gutes Frühstück musste vor der Abreise noch sein und ich wollte Clare und Frank noch in der Firma besuchen bevor es los ging.

Es war unglaublich aufregend die ersten Kilometer wieder zu fahren und zu realisieren, dass man wieder auf Reisen ist. Wieder im Auto schläft und unendlich viele Kilometer hinter sich lässt.

So schnell bringt mich nichts von meinem Weg ab. Egal wie viele Steine man mir in den Weg legt, ich gehe meinen Weg weiter.

1 kommentar

  1. Anonymous Anonymous

    Hey Lari. Dein neuer Bericht ist wieder sehr lesenswert. Die Fotos wunderbar. Das du den Unfall so gut überstanden hast,, dafür sind wir sehr dankbar. Mach weiter so. Mapa

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