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Wwoofen in Queenstown

Arbeitsplatz: Ben Lomond Horse Trekking 
Ort: Queenstown – Moke Lake
Dauer: 4 Wochen

Der Wecker klingelte meiner Meinung nach viel zu früh. Um 6.30 aufstehen um genug Zeit für ein Frühstück zu haben, ist nicht grade die Uhrzeit die ich mir vorgestellt habe beim wwoofen. Mühsam und irgendwie noch nicht vollkommen wach, schob ich mich ins Badezimmer. Morgens in den Spiegel gucken – eine Spaß auf den ich um die Uhrzeit ebenfalls verzichten könnte. Nun gut ein bisschen Make-Up sollte helfen frischer für den ersten Arbeitstag auszusehen.

Was gibt es besseres als eine Schale Müsli zum Frühstück? Richtig – Viel zu viel. Aber immer noch besser als gar kein Frühstück. Schnell noch einen Tee dazu. Ostfriesentee schmeckt hier leider absolut gar nicht. Da hilft leider auch kein Zucker mehr. Dafür habe ich neue Teesorten für mich entdeckt. Hat tatsächlich mal was Gutes.

Um 7:30 wurden wir abgeholt. Normalerweise haben wir einen Van der uns zur Verfügung steht, um eigenständig zur Arbeit zu fahren. Ab und an kommt es aber vor, dass wir abgeholt werden. Um die Ecke kam also unser Van. Die großen Werbeaufkleber machten eine Verwechslung unmöglich. Allerdings ließ das innere des Vans stark zu Wünschen übrig. Damit werden also Gäste transportiert? Bei uns kann man es verstehen, wenn die „Arbeiter“ nicht die allerneusten Vans bekommen. Nur als Gästetransport würde ich die Klapperkiste auf keinen Fall nehmen. Damit versaut man sich auf jeden Fall den ersten Eindruck.

Weg zum Moke Lake  

Wir stiegen also alle in den Fan und los gings. Durch Queenstown und dann zum Moke Lake. Dort ist unsere Station von Ben Lomond Horse Trekking. Sobald man die Hauptstraße verlässt fängt eine  Schotterstraße an. Meine erste Fahrt kostete mich einige nerven. Während man eigentlich auf Schotterstraßen vorsichtig und langsam fahren sollte, sind wir drüber geheizt. Also ablenken um nicht zu viel über die Straße nachzudenken.

Der Anblick ist wirklich schön. Berge säumen die Straße und vereinzelt kleine Wälder schmücken die Hänge. Tief liegen die Wolken im Tal und Dunst steigt empor vom Lake Kirkpatrick. Ein kleiner aber schöner See bevor wir zum Moke Lake kommen. Die Straße führt direkt am Ufer entlang. Das Wasser ist so klar, dass man die Steine am Grund des Sees sehen kann. Vereinzelt schwimmen schwarze Schwäne im Wasser. Im Nebel kaum erkennbar.

Die Station ist kaum erkennbar bei den dichten Wolken am frühen Morgen. Die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen. Wir fahren eine kleine Erhöhung hoch und haben einen schönen Ausblick ins Tal zum Moke Lake. Wie weit es wirklich geht wird durch all die Wolken verheimlicht.

Angekommen hieß es ab in die Kälte und mich an die Mädels hängen. Heute musste ich genau aufpassen, denn alles was ich lernte musste ich in den nächsten Tagen selber machen. Je schneller ich alles behielt umso besser. Ich sollte helfen die Pferde vom Night Paddock zu holen. Es gibt nur zwei Weiden. Den Night Paddock und den Day Paddock.

Einige kamen direkt zu uns gelaufen. Andere ließen sich nur mit nettem Zureden dazu bewegen zur nächsten Weide zu laufen. Wenn alle drüben sind beginnt die Fütterung und man holt die ersten Pferde für den ersten Treck. Wie sollte ich nur all die Namen lernen? Größtenteils alle braun und irgendwie sahen sie sich alle zu ähnlich. Leider haben auch nicht alle ihren Namen am Halfter.

Also erstmal nur mitlaufen und versuchen sich die ersten Pferde zu merken. Gefüttert wird auf der Weide und dort wo die Pferde angebunden werden. Danach ist alles sehr einfach und geregelt. Pferde bürsten, satteln und warten bis die Kunden kommen. Obwohl gewartet wird eigentlich nie. Sobald die Pferde fertig sind stehen genug Arbeiten noch zur Verfügung. Von Trensen und Sattel einfetten bis hin zu Poo sucking.

Poo Sucking – Eines der Dinge die man nicht unbedingt im Leben braucht, aber die gemacht werden müssen. Mit dem Quad und dem Poo-Sucker über beide Weiden fahren und den Pferdemist einsaugen. Etwas Gutes hat die Sache, man trainiert seine Arme.

Follower Guide beim ersten Treck im Morgengrauen

Mein erster Treck war als Follower Guide. Sprich man reitet am Ende des Treck’s. Eine super Möglichkeit um sich die Strecken einzuprägen und seine ersten Erfahrungen mit den Pferden zu sammeln. Nervosität und Aufgeregtheit flossen durch meine Adern während ich auf meinen Treck wartete. Um 9 ging es dann endlich los. Mein erstes Pferd hieß Buddy. Buddy wäre ein tolles Pferd, wenn man ihn alleine beschäftigen könnte. Er ist in einer Gruppe meistens auf Angriff und somit muss man ständig aufpassen wie er sich verhält.

Selfie mit Buddy

Trotzdem war der erste Treck ein tolles Erlebnis. Das erste Mal einen Fluss auf dem Rücken eines Pferdes durchqueren, die kleinen Hügel hoch und runter reiten und die Natur genießen. Eins muss man Neuseeland lassen. Die Natur ist wunderschön. Das Wasser im Fluss ist kristallklar und plätschert entspannend den gesamten Weg neben einem her. Man sieht viele verschiedene Vögel und wenn man Glück hat die ein oder andere Bergziege.

follower guide

Es gab keine Zwischenfälle und ich kam heil und gut gelaunt wieder am Ziel an. Danach ging es gleich auf den zweiten Treck. Ehrlich gesagt kann ich mich an mein Pferd beim zweiten Ausritt nicht erinnern. Das Problem nach 4 Wochen ist – man weiß nicht mehr jeden Tag ins Detail. Ihr würdet euch andererseits langweilen würde ich euch jeden Tag beschreiben. Mein dritter und letzter Trek an diesem Tag war noch einmal mit Buddy. 3 Stunden durch die schöne Natur.

Ausritt tiefer ins Tal 3 Stunden ausritt

Leider konnte ich nur einmal als Follower mit auf einen 3 Stunden Ausritt. Oft kam dieser Trek nicht vor und so blieb es einmalig. Der Fluss wird tiefer im Tal, breiter und wilder. Das Tal zwischen den Bergen verengt sich und nur ein schmaler Weg neben dem Fluss bleibt vorhanden. Kaum ein Sonnenstrahl gelangt so tief ins Tal um diesen Teil zu erhitzen.

Am dritten Tag war ich bereits genug eingearbeitet um meinen ersten eigenen Treck zu leiten. Wieder dieselbe Aufregung wie beim ersten Trek als Follower. Ich hoffte, dass alles gut verlief und keiner meiner Kunden vom Pferd fiel. Ich hatte nun die Verantwortung und musste nicht nur anderen Menschen die Umgebung zeigen sondern sie auch Heil von A nach B bringen. Ehrlich gesagt ist es kaum möglich, denn ich konnte wenig ausrichten wenn die Pferde durchgehen.

Die erste Woche verging so schnell. 5 Tage wurde gearbeitet und 2 Tage bekam ich frei. Man will in diesen 2 Tagen am Liebsten alles an Aktivitäten machen, was Queenstown bietet. Nach den Tagen der Arbeit habe ich hingegen gemerkt, dass man mindestens einen Tag davon braucht um sich zu erholen und mal zu entspannen.

Meinen ersten freien Tag habe ich genutzt um mit Vanessa Queenstown anzusehen und natürlich um das Eis von Patagonia zu testen. Es ist so unglaublich lecker. Es wird von vielen gelobt und wurde bereits ausgezeichnet. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. Ihr könnt die Sorten vorher probieren solltet ihr euch nicht entscheiden können. Ich hatte weiße Schokolade mit Nuss und Erdbeeren Sorbé. Es zerfloss langsam auf der Zunge. Das Eis ist etwas teurer jedoch lohnt es sich. Mein Eis war so groß, dass ich den ganzen Tag pappsatt davon war.

Mein zweiter Tag war meinem Bett gewidmet. Einfach mal nur tun wonach einem ist. Retusche, Bloggen, Lesen, Musik hören und entspannen. Natürlich gäbe es genug Alternativen. Ich wusste jedoch, dass ich mehr als eine Woche hier verbringe und daher war ein Tag Ruhe vollkommen in Ordnung.

Eigener Treck

Die nächsten Wochen bis zur letzten Woche vergingen recht zügig. Ab und an war ein Tag wie zähe Kaugummimasse. Andere Tage hingegen waren mit einem Wimperschlag vorbei. Je länger ich dort arbeitete umso mehr fielen mir die negativen Dinge auf. Viel zu lange Arbeitstage, einige Pferde ungeeignet als Trekkingpferd, wenig Kommunikation seitens unserer Vorgesetzten und wenig Wertschätzung.

Als Wwoofer sollte man in einen Betrieb kommen um diesen zu unterstützen. Unterstützung definiere ich als Hilfsarbeit und nicht als Vollzeitkraft. Unsere Zeiten konnte man nicht mehr in die Kategorie Hilfsarbeit einordnen. An sich wären die Zeiten auch kein Problem, wenn mehr Gegenleistung kommen würde und man merken würde, dass sie deine Arbeit schätzen und dankbar sind.

Ich bin mir sicher, dass viele Menschen das Gefühl kennen, wenn die eigene Arbeitsleistung nicht so geschätzt wird, wie sie es sollte. Es bleibt als bitterer Beigeschmack ständig im Gedächtnis.

Die letzte Woche war meine turbulenteste Woche von allen. Ein Treck lief absolut schief. Es war weder die Schuld von mir, den Pferden oder den Kunden. Ein kleiner dummer Fehler und es endet mit verletzten Kunden. Man sollte eben nie vergessen, dass Pferde Fluchttiere sind und sie kaum zu stoppen sind, sollten sie in Panik geraten. Als Guide hat man keine Chance seine Kunden vor einem Sturz zu bewahren. Trotzdessen hatte ich den ganzen Tag ein ungutes Gefühl und ein schlechtes Gewissen.

Sy mein Lieblingspferd

Am nächsten Tag durfte ich mein Lieblingspferd Sy reiten. Er hat einen tollen Charakter und läuft wirklich schön. Mein ungutes Gefühl und die Nervosität blieben mir leider nicht fern. Ich war ihm sehr dankbar, dass nichts passiert ist und alle mit guter Laune und Spaß wieder am Ziel angekommen sind. Gut für meine angeschlagenen Nerven.

Sy im Portrait Sy auf der Weide

Der letzte Tag war anstrengend, lang und traurig. Traurig aus einem Grund: unseren Vorgesetzten war es irgendwie egal. Es gab keine Worte des Abschieds oder des Dankes. Schade. Nach der langen Zeit wäre es angebracht gewesen. Mich durchfuhr eine Erleichterung als der letzte Trek zurück kam. Nur noch die Decken auf alle Pferde und dann konnte ich meine Arbeit beenden.

Ben das Shire Horse Detailaufnahme von Bens Auge

Vermissen werde ich die Zeit mit den Mädels, gemeinsames kochen und lachen in unserer Unterkunft. Ich werde die wunderschöne Natur vermissen, die jeden Tag anders aussah. Natürlich haben sich die Berge nicht bewegt oder es gab plötzlich mehr Bäume und Blumen. Das Spiel von Schatten und Licht, die Wolken tief im Tal und die verschiedenen Wetterlagen ließen die Landschaft immer neu erscheinen. Der Nebel dicht über der Wasseroberfläche und der Raureif auf dem Boden. Kleinigkeiten die unsere Natur zu bieten hat. Nicht zu vergessen werde ich einige der Pferde vermissen.

Bart auf der Weide Barts auge im detail

Mein Fazit: Zu viel Arbeit und zu wenig Wertschätzung. Wenig zutun mit dem eigentlichen Sinn von Wwoofen. Wenn ihr Glück habt, lernt ihr tolle Menschen kennen mit denen das Arbeiten Spaß macht und mit denen ihr auch nach der Arbeit noch zusammen sitzen mögt. Queenstown und Umgebung ist wirklich schön und die Möglichkeit vieles auszuprobieren ist sehr gut. Reiten in der Natur macht Spaß, aber jeden Tag die gleiche Tour kann auf Dauer sehr anstrengend werden und die Lust am Reiten verschmälern.

Für 1- 2 Wochen eine gute Möglichkeit Queenstown zu sehen und hier zu leben. Länger würde ich es nicht mehr machen.

BO Pferd auf der weide

3 Comments

  1. Kati Kati

    War mal wieder ein schöner Beitrag von dir 😊👍
    Wahnsinn wie die Zeit vergeht 🤔 Die erste Station hast du geschafft 😊

    Bin schon gespannt auf alles weitere 😃

  2. Anonymous Anonymous

    Hey Lari. Schön dein neuer Beitrag.
    Auch toll das du die positiven und negativen Eindrücke geschrieben hast. Weiter so.

  3. Judi Judi

    Ich fand den Beitrag super!! ♡ Richtig gut,dass du ehrlich bist. Für mich war es spannend die positiven als auch die negativen Seiten kennenzulernen. Wenn ich deinen Beitrag lese fange ich an von der tollen Natur zu träumen😊

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